Neues Wohnen Wolnzach

Neues Wohnen an der Glandergassleiten Wolnzach

1.Preis | Realisierungswettbewerb, Einladungswettbewerb „Wohnen an der Glandergassleiten“ | November 2019

Ausloberin: Markt Wolnzach, vertreten durch 1. Bürgermeister Jens Machold

Brutto-Grundfläche BGF ca. 30.000 m² | ca. 232 Wohneinheiten

Landschaftsarchitektur von liebald+aufermann landschaftsarchitekten PartG mbB

 

Umfeld und Städtebau

Das Planungsgebiet bildet den neuen nordöstlichen Ortsrandabschluss von Wolnzach im Übergang zur hügeligen, landwirtschaftlich geprägten Feldflur. Ziel der Planung ist es, das Siedlungsgefüge erheblich zu erweitern ohne die bestehenden Ortsteile von der freien Landschaft abzuschneiden und das erhebliche Gefälle des Planungsgebiets im Zusammenhang mit der gewünschten kleinteiligen Bebauung zu bewältigen. Zudem soll ein lebendiges, durchmischtes Quartier entstehen, welches Bezug auf die Besonderheiten des Ortes nimmt und seinen Bewohnern ein hohes Identifikationspotenzial bietet.
Das Entwurfskonzept bildet aus diesen Rahmenbedingungen einen der Topografie folgenden zentralen Anger aus der zentraler Erschließungs- und Begegnungsraum zugleich ist. Im Südwesten wird über offene, ringförmig gruppierte Einzel- und Kettenhäuser ein subtiler Übergang an die bestehenden Siedlungsstrukturen geschaffen. Wegeverbindungen werden aufgegriffen und in die freie Landschaft fortgeführt. Die nordöstliche Fassung des Angers erfolgt über linsenförmige „Gehöftgruppen“, bestehend aus unterschiedlichen Gebäudetypologien, die einen dörflich, geprägten Gemeinschaftshof umschließen. Zum Anger hin sind die „Gehöfte“ mit einer Verbindungsmauer gefasst, während sich die grün geprägten Fugen dazwischen zur Landschaft hin öffnen.
Das Gebietsentré zur Glandergasse hin wird durch den „Hopfenhof“, einem Blocktypus mit unterschiedlichen Sonderwohnformen und einem Gehöfttypus gebildet. Die vorgelagerte zentrale Sickerflächen überquert man über einen „Steg“, der sich als Anger bis zum höchsten Punkt des Quartiers fortsetzt.
Durch die weitestgehend geschlossene Außenfassade wird auch der Schallschutz ins Quartier sichergestellt.
Die Dächer sind als steilere Satteldächer mit teils aneinandergereihter Giebelständigkeit vorgesehen. Diese Typologie nimmt Bezug zur historisch gewachsenen Dachlandschaft von Wolnzach und arrondiert diese auf eine eigenständige Weise, ohne mit dem gewachsenen Ortskern konkurrieren zu wollen. Die zahlreichen südausgerichteten Dächer eignen sich für solare Nutzung, wobei besondere Sorgfalt auf die schlüssige und bündige Dachintegration der Paneele/Solarziegel zu richten ist. Auch aus diesem Grund sollen Dachgauben ausgeschlossen werden.

 

Gehöfte

Maßstabsbildner für die „Gehöfte“ ist eine sozial überschaubare Größe ebenso wie eine dorfkernartige Dichte. Die unterschiedlichen Wohnformen und die Konzentration der Hauszugänge auf die weitestgehend waagerechten Höfe lassen ein lebendiges Miteinander erwarten. Diese sind jeweils in Zuschnitt und Ausstattung individuell gestaltet und bilden den zentralen Identifikations- und Kommunikationsraum für die Bewohner. Die privaten Gärten liegen jeweils auf zwei Niveaus. So entstehen jeweils gut nutzbare private Gartenflächen. Zu den Grünfingern sind die Gärten jeweils nochmal um eine niedrige Mauer abgesetzt. Die den Höhenlinien folgenden Höfe werden mit Kinderspiel, Fahrradabstellmöglichkeiten sowie kleinen Treffpunkten zum Feiern ausgestattet. Gemeinsame Gemüse- oder Kräuterbeete sind ebenfalls nicht ausgeschlossen. Je eine Baumart herrscht in jedem Hof vor. Schmale Fugen und Unterbrechungen zwischen den Häusern bieten gezielte Ausblicke in die Umgebung und dienen teilweise als kleinmaschiges, gebietsinternes Wege- und Treppennetz. Weite Teile der Häuser sind direkt an die unter dem Hof liegende Tiefgarage angeschlossen, wodurch ein Parken „im eigenen Haus“ ermöglicht wird. Die TG-Zufahrt erfolgt gegen den Hang, im Höhenversatz vom Gehöft zur Grünfuge. Die bauliche Umsetzung der Gehöfte sollte zugunsten der räumlichen und gestalterischen Einheit aus einer Hand erfolgen. Dies könnte durch die Kommune, aber auch durch Baugruppen oder ggf. Bauträger erfolgen.

 

Hopfenhof

Der Entrée-Block ist aufgrund seiner Muldenlage stark nach innen orientiert und für besondere Wohnformen vorgesehen. Vorstellbar sind hier städtische Wohnungen, Wohngruppen für Generationen und Senioren, Auszubildendenwohnungen und Integrative Gemeinschaftseinrichtungen. Sehr wünschenswert wäre ein Bewohnercafé als Quartierstreff und ggf. eine Mobilitätsstation. So könnte der Quartierseingang positiv bespielt und der Verkehrsfluss Glandergasse angezapft werden. Der Innenhof erhält als besondere Raumqualität ein Hopfendach mit Stangenwald, welches einen jahreszeitlich stark unterschiedlichen Charakter aufweist (Schatten im Sommer, Licht im Winter).
Die Heizzentrale liegt gut erreichbar an der Nordwestecke des Hopfenhofes.

 

Hausketten

Im Übergang zur bestehenden Siedlungsstruktur bilden die Hausketten einerseits einen selbstverständlichen Übergang, andererseits verdichten sich die Strukturen zu Ketten, die den Angerraum erlebbar fassen und im Innern geschützte back-to-back Gartenhöfe bilden. Die überwiegende Wohnform sind Einfamilien- und Doppelhäuser mit größeren Garteneinheiten und oberirdischen Garagen.

 

Bäume

Das neue Baugebiet wird zur Landschaft durch eine Eingrünung aus landschaftstypischen Elementen gefasst (Bäume und Feldgehölze begleiten ein System von Rinnen und Mulden zur Regenwasserführung, Rückhaltung- und Ableitung). Der neue Erschließungsanger wird alternierend mit Bäumen in unregelmäßigen Abständen begrünt – sie weisen jeweils auch auf mögliche Abzweigungen von TG-Zufahrten oder Einmündungen von Fußwegeverbindungen hin.

 

Regenwasser

Der Umgang mit dem Regenwasser wird unter dem Einfluss des Klimawandels eine immer größere Bedeutung haben: zu erwartende, häufige Starkregenereignisse müssen schadlos abgeführt und versickert werden. Das Konzept sieht daher nicht nur eine schmale Rinne zur zentralen Versickerungsfläche in der Talsohle vor, sondern bietet im ganzen Gebiet Rasenmulden an, die bei Starkregenereignissen den Abfluss puffern. Wegflächen werden auf ein schmales Maß reduziert und Stellplatzflächen sind mit Rasenpflaster ausgebildet. Das Regenwasser der Satteldachflächen wird, um den Abfluss weiter zu minimieren, in Zisternen in der TG gespeichert und als Brauchwasser genutzt (Gartenbewässerung, Toilette). Die Terrassierung der Gartenflächen hält ebenfalls große Teile des Wassers zurück und versickert sie vor Ort.

 

Spielen

Die den Wohnungen zugeordneten Sandbereiche und Spielflächen für die Kleinsten sind konsequent in den Höfen angeordnet. Die stadtteilbezogenen öffentlichen Spielflächen für alle Altersgruppen sowie die Jugendlichen werden in den Grünen Fugen untergebracht. Das Thema Wasser wird in Form der Sickerflächen spielerisch integriert.

 

Erschließung

Der Straßenanger wird im Sinne eines `shared space´ als multifunktionale, von allen Verkehrsteilnehmern gleichberechtigt zu nutzende Verkehrsräume ausgebildet werden. Die Grünen Fugen sind sowohl von Süden als auch von Norden her mit den Gehöften durch Stiche verbunden und schaffen so eine hohe Durchlässigkeit des Freiflächensystems. Die Ringförmige PKW-Erschließung ist durch die schleifenförmige Wegeführung nicht als Schleichweg nutzbar, bietet dabei aber eine sehr hohe Funktionalität.

 

Parken

Neben den direkt den Gehöften zugeordneten Tiefgaragen werden weitere Stellplätze für Bewohner und Besucher entlang des Angers sowie am Quartierseingang angeordnet. Die Tiefgaragen sind zur Vermeidung von Parkverkehr direkt an den zentralen Straßenanger angeschlossen.

 

Rettungswege

Auf Grund der vorwiegenden 2-3- Geschossigkeit ist eine Anfahrt mit Feuerwehrfahrzeugen nur übergeordnet notwendig. Diese kann ohne Zusatzmaßnahmen auf den ohnehin vorhandenen Verkehrsflächen erfolgen, die auch als Aufstellflächen dienen.

 

Nachhaltigkeit und Ökologie

Die städtebauliche Konfiguration mit einem Großteil an südorientierten Baukörpern ist optimal für energiesparende Bauweisen. Die geplante Energiezentrale sollte ebenfalls regenerativ betrieben und durch Dachkollektoren auf den Dächern des Hopfenhofs ergänzt werden. Der sehr hohe Anteil an Garten und Grünflächen lässt eine große Artenvielfalt und andererseits ein hervorragendes Mikroklima erwarten, das nicht nur den Bewohnern, sondern auch den bestehenden Siedlungsstrukturen zugutekommt. Auch von der baulichen Schallabschirmung werden diese profitieren. Zur Ausbildung von Retentionsflächen werden die Grünen Fugen weich ausmodelliert. Sie nehmen das Regenwasser aus den Gebieten auf, speichern es und lassen eine kontrollierte Versickerung zu. Gleichzeitig können diese wechselfeuchten Bereiche als ökologische Ausgleichsflächen herangezogen werden. Neben den ökologischen Funktionen werden auch der gemeinschaftsbildende, maßstäbliche Städtebau und die flexiblen Haustypen eine langfristige Lebendigkeit im Generationenwandel sicherstellen.

 

Im Donaukurier ist am 17.11.2019 ein Artikel über diesen Wettbewerb veröffentlicht worden.
https://www.donaukurier.de/lokales/pfaffenhofen/Gehoefte-und-ein-Hopfenhof;art600,4391030# (externer Link)

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