Wettbewerb Grunewaldstraße

1.Preis | Ideen- und Realisierungswettbewerb „Quartiersentwicklung Grunewaldstraße“ Regensburg

Ausloberin Ratisbona Immobilien Bau GmbH Regensburg

GF ca. 31.600 m²

Landschaftsarchitektur von NOWAK PARTNER Landschaftsarchitekten GbR

 

Erläuterungstext:

Umfeld und Städtebau

Dem Planungsgebiet kommt eine wichtige gestalterische Rolle zu, da es den Stadteintritt nach Regensburg besetzt und so als Stadteingang wahrgenommen werden soll.

Das Umfeld im Westen und Norden ist geprägt durch heterogene Bebauungs- und Nutzungsstrukturen, die wenig städtebauliche Bezüge bieten.

Im Osten und Süden dominieren mächtige Verkehrsachsen, die einen schwer überwindbaren Übergang zur freien Landschaft bilden. Hier bietet sich einerseits räumliche Weite, andererseits lasten erhebliche Schallimmissionen auf dem Planungsgebiet.

Auch aus den „Quartiersstraßen“ Benz- und Grunewaldstraße resultieren ernstzunehmende Schallimmissionen, so dass die das Quartier allseitig umschließenden Verkehrsflächen einen wichtigen Planungsparameter darstellen.

Das Entwurfskonzept begegnet den komplexen Rahmenbedingungen durch die konsequente Ausbildung von drei polygonalen Blockbausteinen mit jeweils geschützten Höfen.

Die Blockbausteine werden über turmartige Glieder miteinander verknüpft, wodurch sich zwei einladende, platzartige Foren bilden, über die das Quartier mit seiner Umgebung kommuniziert. Durch die Auffächerung der Forumsfassaden wird eine hochwertige Orientierung und bessere Belichtung geschaffen.

Über die hervorspringenden Verknüpfungsglieder und die leicht verschwenkenden Blockfassaden ergibt sich ein großmaßstäbliches Fassadenrelief welches nicht nur die Zugänge zu den Foren markiert sondern auch die Wohnnutzung über die Fenster und Schallschutz-Loggien nach außen manifestiert. Zusammen mit den außenliegenden Haus- und Wohnungszugängen, den Fahrradunterstellplätzen und einer entsprechenden Freiflächengestaltung wird so einer Rückseitenbildung bewusst entgegengetreten und der Freiraum belebt.

Im Nordosten, an der Kreuzung Benzstraße, Grunewaldstraße bildet ein schlankes Hochhaus den Quartierseingang und fasst den Raum für den Quartiersplatz, der an dieser Stelle wesentlich zur neuen Identität des Gesamtquartiers beiträgt und eine gute Nutzungsfrequenz verspricht. Das 15-geschossige Hochhaus stellt nach Westen hin der Auftakt für drei weitere Hochpunkte entlang der Benzstraße dar, weist aber auch stadträumliche Bezüge zum Pürkelgut und zum Stadtzentrum auf.

Der südliche Hofbaustein wird nur etwas überhöht um die Wahrnehmbarkeit des Stadtbeginns zu erhöhen. Ein Hochhaus an dieser Stelle erscheint zu abgelegen, um für das Quartier eine belebende Wirkung zu entfalten.

 

Quartiersplatz und Hochhaus

Das Hochhaus als Quartiersentré bildet zum Bushalt an der Landshuter Straße gleichermaßen wie zum Quartiersplatz eine einladende Adresse. Der Platzbelag umspült die Gebäude, so dass zusammen mit dem beidseitig orientierten Café eine Rückseitenbildung vermieden wird.

Der Höhenunterschied nach Osten hin wird sanft und selbstverständlich, teilweise über Stufen und Sitzblöcke bewältigt.

Das Hochhaus und der erste Hofbaustein sind über außenseitig verglaste Balkonstege (Schallschutz) verbunden wodurch geschützte Freisitze entstehen, die bei Bedarf auch größere, zusammenhängende Nutzungseinheiten koppeln könnten.

In den obersten Geschossen werden wegen des einzigartigen Ausblicks Penthouse-Wohnungen mit verglasten Schallschutzloggien angeboten. Das Dach, soll als Skydeck gemeinschaftlich nutzbar sein.

 

Hofbausteine

Die Zugänge für das Wohnen liegen ausschließlich außen wodurch einerseits die Straßenräume aufgewertet werden und andererseits die Foren störungsfrei genutzt werden können. Die Innenhöfe sind allseitig schallgeschützt und bieten den kontemplativen Schutzbereich für die Bewohner. Unterstrichen wir dies durch die warmtonige Farbgebung der Innenfassaden. Durch die Höhenstaffelung nach Südwesten sind diese trotz ihrer Kompaktheit optimal belichtet.

Im durchgängigen Erdgeschoss des nördlichen Hofbausteins ist der Vollsortimenter vorgesehen. Auch hier soll der Eingang sowohl von der Landshuter Straße als auch vom Quartiersplatz her möglich sein.

Die Kindertageseinrichtung erstreckt sich über das erste und zweite Obergeschoss mitsamt Hof- und Dachflächen, die als geschützten Freispielflächen gestaltete werden.

Der Zugang zur Kita erfolgt über eine einladende Treppe vom Quartiersplatz aus.

Von der Grunewaldstraße her erfolgt die nördliche TG-Zufahrt, die mit der zentral liegenden, vollständig eingehausten Anlieferung des Einzelhandels kombiniert ist.

Der mittlere Hofbaustein dient vorwiegend dem Wohnen. Auch hier wird das Erdgeschoss überhöht ausgebildet und bietet so Raum für kleinteilige Dienstleistungsnutzungen zum Forum hin. Entlang der Grunewaldstraße und des Forums liegen Wohnungen mit überhohen „Atelierküchen“, die bei Bedarf auch für wohnungszugeordnete Dienstleitungen, als Atelier, Kleinbüro usw. genutzt werden können und von der unmittelbaren Nähe zum Hotel profitieren.

Der Innenhof liegt um etwa 1m erhöht, so dass die höhengestaffelten EG Einheiten einen ebenerdigen Hofzugang erhalten.

Der südliche Hofbaustein beherbergt neben Wohnnutzungen und dem betreuten Wohnen das Hotel, welches als Auftakt für das Stadtgebiet behutsam überhöht ist. Das EG ist für die Hotel- Serviceflächen und die Pflegestationkomplett unterbaut.

Die Vor- und Zufahrt sowie die südliche Tiefgaragenzufahrt erfolgen über die Grunewaldstraße. Das Hotel erhält nicht zuletzt wegen der 10 Geschossigkeit ein Sicherheitstreppenhaus wodurch hofseitig kleinteilige Einheiten ausgebildet werden können. Von der Grundstruktur her eignet es sich daher beispielsweise auch für Seniorenwohnen oder andere gewerbliche Wohnformen. Der Schallschutz der Außenfassaden erfolgt über Prallscheiben mit 50cm Abstand zu den Öffnungsflügeln. Auch hier werden die inneren  Dachflächen als Kompensationsflächen für die knappen Freiflächen als Gemeinschafts-Freiflächen gestaltet.

 

Belebte Erdgeschosszonen

Die zentrale, zusammenhängende Einzelhandelsfläche im nördlichen Hofbaustein ist wegen ihrer allseitigen Orientierung und der günstig liegenden Anlieferung beliebig aufteilbar.

Die kleinteiligen Dienstleister- und Wohnatelierflächen bespielen zusammen mit dem Einzelhandel die Flächen des nördlichen Forums. Durch die Nähe zum Hoteleingang ist auch hier eine gute Frequentierung in Aussicht gestellt. Die Foren werden zusätzlich durch einen Bewohnertreff und eine mKrabbelgruppe in den Erdgeschossen der Generationentürme belebt. Das Südliche Forum bildet die Adresse für die Pflegestation, das betreute Wohnen und das Hotel.

Insgesamt entsteht so im Quartiersinneren eine durchgängig bespielte Erdgeschosszone die wegen ihrer Variabilität eine langfristige hochwertige Nutzung sicherstellt und wesentlich zur Lebensqualität des Quartiers beitragen wird.

 

Grundrisskonzeption Wohnen

Die Wohnungskonzeption zur Landshuter Straße hin trägt dem Widerspruch zwischen Schallschutz, Ostsonne und dem weiträumigen Bezug zum Landschaftspark und Pürkelgut Rechnung.

Die Aufenthaltsräume sind zur ruhigen, sonnigen Hofseite orientiert.

Die Wohnzimmer sind mittels Küchen und Essplätzen nach Osten durchgesteckt und profitieren so von zusätzlicher Besonnung und einem großzügigen Ausblick, ebenso wie die Ankleiden und Bäder. Die zur Lüftung notwendigen Fenster befinden sich immer auf der Hofseite. Küchen sind an das Abluftsystem, mit natürlicher Nachströmung aus den Höfen angeschlossen.

Die Freisitze werden wegen der räumlichen Dichte als geschützte Loggien ausgebildet.

Über kleine, allseits geschlossene Einzelbalkone auf der Ostseite wird je Wohnung ein Alternativfreisitz angeboten, der die besondere Lage nutzt und die Fassade spielerisch auflockert.

Die Wohnungen im Erdgeschoß erhalten eigene Außenzugänge, wodurch der Außenraum zusätzliche Adressen erhält und entsprechende Belebung erfährt.

Die Wohnungen an den Foren und der Grunewaldstraße sind als Mehrspänner, teilweise durchgesteckt konzipiert. Die Freisitze sind hier ebenfalls als Loggien ausgeführt. Im schallbelasteten Bereich gegenüber den Hotelparkplätzen sind diese als Schallschutzloggien mit einer faltbaren  Einfachverglasung vorgesehen, da hier der 15m Abstand nur geringfügig unterschritten wird.

Die Wohnungen in den „Generationentürmen“ sind über eine außenseitig verglaste Loggia erreichbar. Hierdurch entsteht eine lichtdurchlässige und erlebbare Fuge die gleichzeitig eine sehr hohe Aufenthaltsqualität für die Bewohner bietet (Ausblick, Belichtung, Schallschutz). Die Wohnungen sind wegen Ihrer hierarchielosen Individualraumanordnung vor allem für WG´s und Alleinerziehende vorgesehen, oder als Ergänzungswohnraum für ältere Kinder oder Elternteile. Im EG liegen eine Gemeinschaftsraum und eine Krabbelgruppe. Die obersten beiden Geschosse sind als Familien-Maisonetten ausgebildet.

 

Studentisches Wohnen

Das studentische Wohnen liegt verkehrsgünstig am Quartiersplatz. Über außenseitig verglaste Schallschutzloggien ist es in den Obergeschossen mit dem Hochhaus verbunden. Im Sinne der Nutzungsflexibilität lassen sich diese aber auch als Koppelungen nutzen um größere zusammenhängende Einheiten zu bilden.

Die Aufenthaltsräume sind mit Prallscheiben versehen (Hafen-City-Fenster). Der Gemeinschaftsbereich lüftet über die schallgeschützte Loggia-Brücke.

 

Betreutes Wohnen für Senioren

Im südlichen Hofbaustein ist das betreute Wohnen in Kombination mit der Pflegestation und der Hotelnutzung vorgesehen. Auch hier gilt, dass die Nutzungen aufgrund der Erschließungsstruktur flexibel teilbar und kombinierbar sind.

Auf Laubengänge, Glas- Schallschutzwände oder sonstige Pufferzonen wird zugunsten einer selbstverständlichen und lebenswerten Quartierskonzeption verzichtet.

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